Sonntag, Februar 12, 2006

Walk the Line


Folsom/Kalifornien, Staatsgefängnis. Die stampfenden Insassen rufen nach Johnny Cash, der später eines seiner berühmtesten Konzerte geben wird. Der gezeichnete Cash betrachtet abwesend eine Kreissäge. Ein Symbol für ein einschneidenes Erlebnis aus seiner Kindheit und in den nächsten 130Minuten erfahren wir wie aus J.R. Cash der legendäre "Man in Black" wurde.

"Walk the Line" umfasst die Jahre 1944-1968 des Countrystars. Seiner Jugend, dem Verlust seines Bruders, seiner eher unglücklichen Ehe, seinen Drogenproblemen und seiner Liebe zu June Carter.
Regisseur James Mangold legt dabei keinen Wert auf inszenatorische Raffinesse oder Edeloptik sondern beschränkt sich bei seinem Film auf die Stimmungen seines Stars und den Zeitgeist der 50er und 60er Jahre, der perfekt eingefangen wird.
Eine gewisse Episodenhaftigkeit, dessen Manko fast jeder biographische Film aufzuweisen hat, lässt sich leider auch in "Walk the Line" nicht von der Hand weisen. So werden einige Aspekte aus Cashs Leben, wie die problematische Beziehung zu seinem Vater Ray (Robert Patrick), nur schemenhaft angedeutet doch reduziert Mangold seinen Film auf die angesprochenen "einschneidenden" Erlebnisse Cashs, und lässt diesen dann aber angenehm viel Platz und Ruhe, so dass ein hektisches springen von Jahr zu Jahr zum Glück entfällt.

Obwohl es schon fast zum guten Ton dazu gehört das Spiel von Joaquin Phoenix (Cash) und Reese Witherspoon (Carter) lobend hervorzuheben, sei nochmals gesagt, dass die zwei Akteure mit Leichtigkeit die besten Leistungen ihrer Karriere abliefern, und das nicht nur aufgrund der täuschend echt vorgetragenen Songs. Da haben Johnny Cash und June Carter ein gutes Händchen bei ihrer Auswahl bewiesen.

"Walk the Line" ist ein herausragend gespieltes, kurzweiliges und einfach typisches Biopic geworden, das auch für Nicht-Fans wie mich seinen Reiz hat. Eine würdige Ehrerbietung der 2003 verstorbenen Musiklegende.