Samstag, Dezember 17, 2005

Eine Frau ist eine Frau


Nach 2 Wochen Pause nun also der zweite Godard und dieser war für mich schon wesentlich zugänglicher als "Die Aussenseiterbande", auch wenn man dessen Qualitäten nicht mindern sollte.

Schon während der Anfangscredits bombardiert uns Godard mit einem Schnittstakkato das zeitgleich den Rahmen des Films festlegt: Schlagwörter wie "Musical", "Drama", "Dreieck" oder "Sentimental" wechseln sich mit den Darstellernamen ab und genauso schnell geht es auch in der Anfangssequenz des Films weiter. Der Zuschauer begleitet die quirrlige Angela durch Frankreichs Straßen zu einem lockeren Soundtrack, der allerdings immer wieder zeitweise pausiert wird und wieder neu einsetzt. Unterstützt wird dies durch Godards rasante Schnittfolge, in der bereits in den ersten Sekunden ein gutes Bild der Hauptdarstellerin gezeigt wird. Denn genau um sie geht es natürlich in "Eine Frau ist eine Frau".

Die in den Credits angekündigte Dreiecksgeschichte um Angela, die unbedingt ein Kind möchte, ihrem Freund Émile, der keines möchte und Alfred, der Angela möchte ist eigentlich nicht der Rede wert, doch verpackt Godard so viele Ideen in ihr wie kein Zweiter. Die paradoxe Mischung aus Musical, Komödie und/oder Tragödie zeichnet ein ziemlich zutreffendes Bild des ewigen Geschlechterkampfes. Ein Hin und Her, ein Ja ein Nein, ein Hüh ein Hott. Godards Einfallsreichtum scheint dabei keine Grenzen zu kennen. Er bedient sich allerlei Hilfsmittel, um sein Bild der unddurchschaubar komplizierten Frau dem Zuschauer zu präsentieren wie bspw. eingeblendete Texte, die Einblick in die Gefühlswelt der Protagonisten geben. Die problematische Kommunikation zwischen dem Liebespaar wird witzig und kreativ in der Zahnputz- bzw. Buchszene dargestellt, zwei sehr schöne Einfälle.

"Eine Frau ist eine Frau" ist Godards erster Film in Farbe und er macht sich diese "Errungenschaft" auch prompt zu Nutze, indem er viele Farbspielereien als Stilmittel verwendet. Stilmittel ist ein gutes Stichwort, denn den Film lediglich auf seinen Geschlechterkampf zu reduzieren wäre zu einfach. So inszenierte der nouvelle-vague Regisseur erneut eine Dekonstruktion der Kinokonventionen, eingebettet in die angesprochene paradoxe Genremischung, die sich dem ungeschulten Auge (mir eingeschlossen) nicht so leicht aufdrängt wie das Beziehungsdrama.

Trotzdem bleibt zu sagen, dass es erstaunlich ist wie erfrischend zeitgemäß die Dialoge und darstestellten Situationen in "Eine Frau ist eine Frau" heute noch sind. Für manche Fragen gibt es einfach keine Antworten.