Sonntag, Januar 15, 2006

The Constant Gardener


"Der ewige Gärtner", so die Übersetzung des neuesten Werkes des brasilianischen Filmemachers Fernando Meirelles ("City of God"), dreht sich um Tessa und Justin Quayle (Rachel Weisz, Ralph Fiennes), einem Ehepaar, das verschiedener nicht sein könnte. Während die idealistische Menschenrechtlerin Tessa in Afrika medizinische Aufklärungsarbeit leistet, begnügt sich derweil der eher passive britische Diplomat Justin mit seiner zweiten großen Liebe: Der Gärtnerei. Nach dem vermeintlichen Unfalltod seiner Frau wird dieser jedoch aktiv tätig und erfährt so von einer weltweiten Pharmakonzern Verschwörung, der seine Frau bereits auf die Schliche zu kam schien. Angetrieben von bedingungsloser Liebe führt Justin die Untersuchungen fort und gerät selbst ins Fadenkreuz der Drahtzieher.

Was sich wie ein x-beliebiger Politthriller nach Schema F liest, ist in Wahrheit die sehr gelungene Adaption des gleichnamigen Bestsellers von John le Carré, und auf Zelluloid ein wunderbarer Genremix vor der malerischen Kulisse des schwarzen Kontinents geworden.
Meirelles verwöhnt den Zuschauer nach "City of God" erneut mit atemberaubenden Bildern und famoser Kameraarbeit, getragen von den beiden glänzend aufspielenden Protagonisten.

In Rückblenden entfaltet sich die ergreifende Liebesgeschichte des ungleichen Paares, die gleichzeitig Motivation und Aufhängung des Poltithrillers ist, und so bleibt der Zuschauer bis zum letzten Frame stets auf dem selben Wissensstand wie Hobbygärtner Justin während des fortschreitenden Thrillerszenarios.
Dieses scheut ebenso wenig vor Kritik an machthungrigen Wirtschaftsbossen wie an mangelnder Unterstützung für die hungrigen Mäuler in Kenias Elendsvierteln. Doch so nobel dieser Aspekt des Films auch ist, liegt hier auch gleichzeitig mein Hauptkritik. Meirelles zeigt einfach einmal zu oft unterernährte afrikanische Kinder und leidende Eltern, so dass leicht der Eindruck nach billiger Effekthascherei, den Zuschauer emotional leichter ködern zu können, entsteht.

Trotzdem inszenierte Meirelles eine starke und sehr ambitionierte britische independent Produktion, die das Rad zwar nicht neu erfindet, aber auf handwerklicher wie schauspielerischer Ebene brilliert und nicht davor zurückschreckt ihrer Majestät gehörig in den Allerwertesten zu treten.