Sonntag, November 20, 2005

Bin-jip (3-Iron)


"We are all empty houses, waiting for someone to open the lock and set us free. One day, my wish comes true. A man arrives like a ghost and takes me away form my confinement. And I follow, without doubts, without reserve. Until I find my new destiny."


So spricht der koreanische Regisseur und Drehbuchautor Kim Ki-duk über sein Werk. Man merkt wohl sofort, ohne den Film gesehen haben zu müssen, wieviel Metaphorik in diesem stecken muss. Und so ist es auch.

Bin-jip erzählt die Geschichte von Tae-suk, einem wortkargen jungen Mann, der in fremde Häuser einsteigt ohne jedoch etwas zu entwenden oder Unheil anzurichten. Im Gegenteil, er kümmert sich um das Haus, füllt es mit Wärme, repariert kaputte Gegenstände, giesst die Pflanzen und erledigt die Wäsche.
Eines Tages wird er jedoch von der bezaubernden Sun-hwa ertappt und ergreift die Flucht, jedoch nicht ohne vorher einen Einblick in deren verkorkste Ehe zu gewinnen. Er verliebt sich sofort in die ebenso stille Sun-hwa und befreit diese aus den Fängen ihres groben Ehemanns. Gemeinsam ziehen sie nun um die Häuser, jedoch nicht ohne Folgen...

Kim Ki-duk hat (mir) mit Bin-jip mal wieder bewiesen, was für ein begnadeter Filmemacher er doch ist. Seine Filme bestechen durch eine einzigartige warme und melancholische Atmosphäre. Handwerklich exzellent beweist er in jeder Szene, dass es keine vielen Worte braucht um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, denn ein Bild sagt ja bekanntermaßen mehr als 1000 Worte. Wörter sind in Bin-jip nämlich in der Tat kaum zu finden, beschränken sich die 2 Protagonisten doch auf die wohl 3 wichtigsten überhaupt während des gesamten Films.

Tae-suks Metamorphose zu Ki-duks angesprochenem "Geist", untermalt mit dem typisch subtilen aber immer passenden und verträumten Soundtrack, erweist sich als Liebesgeschichte der etwas anderen Art. Vielmehr jedoch rückt Ki-duk Themen wie Reinheit, Geborgenheit und Freiheit in den Mittelpunkt, die auch seine anderen Werke bestimmen.

Die wortkargen Protagonisten erfordern erhöhte Aufmerksamkeit des Zuschauers, was jedoch nie in Mühseligkeiten o.ä. ausartet, was einzig und allein Kim Ki-duk zuzuschreiben ist. Hervorgehoben sei an dieser Stelle Seung-yeon Lee als Tae-suk, der die Rolle des unantastbaren "Geistes" hervorragend verkörpert.

Das 3er Eisen aus dem Golfsport, daher der Alternativtitel des Films, wird laut Kennern am seltensten benutzt und spielt eine zentrale Rolle im Film. Man stelle sich nun diesen Schläger in einer teuren Ledergolftasche vor, der aber nur sehr selten benutzt wird. Dieses Bild zieht laut Ki-Duk Parallelen zu einer verlassenen, einsamen Person oder einem leeren Haus. Nach der 1.Sichtung des Films war ich nicht im Stande dieses Übermaß an Metaphorik zu umfassen, und das ist auch sehr gut so!

Ein wunderschön ruhiger Film, der u.a. auch die verschiedenen Stadien zwischenmenschlicher Beziehungen gekonnt bebildert und zeigt, dass die Wärme und Geborgenheit eines Heimes nicht von seiner luxeriösen Inneneinrichtung ausgeht, sondern von den Menschen mit denen wir es teilen.